Mythos Schwäbische Alb
06.10.2011

Der Saft der Sieben Keltern

Die Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen e. G. feiert dieses Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum. Weit zurückreichende Tradition, pfiffige Innovation und viel Liebhaberei erzeugen hier die Marke Metzinger Hofsteige, ein Schatz für die Region und ein Geheimtipp unter Kennern.

Sonnenlicht bricht sich nirgendwo so schön wie im Blattwerk von Weinreben oder in einem Glas Wein. Der Weinrebe gelingt es wie keiner anderen Pflanze dem Sonnenlicht seinen Zauber abzugewinnen, ihn zu bannen und so kostbar zu verwandeln. Der Wein der daraus entsteht ist weit mehr als ein Getränk. Er ist eine unendliche Fülle von Geschmacksnuancen, ist ein unerschöpflicher Reichtum für Genießer und Experten, ist Stimmung, Begegnung, der Blick in die Augen dessen, mit dem man anstößt.
Weinbau war insofern schon von je her ein ganz besonderes Handwerk. Ein Weinberg in guter Lage war im Mittelalter mehr wert als ein Haus in der Stadt. Heute kosten circa 90% der verkauften Weine unter 4 Euro pro Flasche. Wein wirtschaftlich anzubauen ist schwer geworden, die nationale und internationale Konkurrenz ist groß. Umso erfreulicher ist der Erfolg des Weinbaus in der Stadt der Sieben Keltern, die weltweit wie im näheren Umkreis oft nur als Outlet-City bekannt ist.
Die sieben großen Keltern-Gebäude zeugen von der enormen Bedeutung und langer Tradition, die der Weinbau in dieser Gegend einst hatte. Die meisten von ihnen wurden nach dem 30-jährigen Krieg erbaut, aber ihre Vorgängerinnen stammten zum Teil noch aus dem 12. Jahrhundert. Ein Ensemble wie dieses gibt es sonst nirgends auf der Welt. Heute beherbergen die Keltern Weinbaumuseum, Vinothek, Fest-Kelter, Stadtbibliothek, den Markt und Gaststätten. Gekeltert wird hier allerdings nicht mehr, das geschieht inzwischen in der Herbstkelter in Neuhausen.

Das Weingut der 130 Weingärtner
„Im Weinberg ist man das ganze Jahr über beschäftigt“, berichtet Gerhard Fritz, „man erlebt die Natur hautnah. Im Frühjahr sieht man innerhalb von zwei oder drei Tagen ein Wachstum von bis zu 10 Zentimetern, und bei Hagel kann innerhalb von 10 Minuten die Arbeit des ganzen Jahres dahin sein.“ Gerhard Fritz ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft aus 130 Weingärtnern, die alle, bis auf zwei, im Nebenerwerb die Weinberge in Metzingen und Neuhausen bewirtschaften.
Ihnen allen gemeinsam ist die große Liebe zur Handarbeit in der Natur und zu ihrem Wein und dessen besonderer Qualität. Dabei liegen Kelterei, Vermarktung und Qualitätsanspruch in einer Hand, sodass die Metzinger Hofsteige sich zurecht als ein Weingut betrachtet, was auch angesichts der nahe zusammen liegenden Flächen der circa 30 ha berechtigt ist. Im Unterschied zu üblichen Weingütern, die von einem Winzer bewirtet werden, sind hier jedoch eine Vielzahl von Händen am Werk. Das einfache Erfolgsrezept: Viele leisten viel. Und nur durch viel Handarbeit entsteht Qualität beim Weinbau.

Das Erlebnis Weinberg

„Es spricht sich langsam herum, dass ein Spaziergang in den Weinbergen von Metzingen und Neuhausen zu den besten Ausflugszielen der Region gehört“, weiß Dietmar Bez, der Erste Bürgermeister Metzingens. Auch Unkundige können sich durch die klare Struktur des Geländes nicht verlaufen. Ein informativer Weinerlebnispfad wird gerade renoviert und verschönert. Der Ausblick auf den Albtrauf einerseits und das Albvorland andererseits ist wunderschön. Und sicher trifft man den einen oder anderen Wengerter, der gerne ein bisschen über seine Arbeit erzählt. Schließlich ist keiner hier Saisonarbeiter, sondern alle sind Eigentümer und Enthusiasten.
Ein ganz besonderes Erlebnis ist eine Weinprobe im Weinberg selbst. Wer den Wein dort kostet, wo er angebaut wurde versteht, dass man im Wein die Landschaft mittrinkt, in der er gewachsen ist. Den vulkanischen Boden, auf dem er stand, die Arbeit der Hände, die sorgsam die Traube prüfen, veredeln und schließlich ernten. Gruppen können sich hierfür in der Vinothek oder beim Förderverein der Metzinger Keltern anmelden.

 

Die Qualität kommt aus dem Weinberg

Neben der Bodenbearbeitung und der Pflege der Reben gibt es insbesondere im Sommer viele Arbeitsgänge, die die Qualität des Weines sehr verbessern. Weniger reife Trauben werden ausgeschnitten, sodass die Kraft zur Zuckereinlagerung aus den Blättern konzentriert den besten Trauben zukommt. 200 kg Trauben pro Ar zu ernten wäre theoretisch gut möglich. 140 kg/a ist der von der EU vorgeschriebene Standard, um Überproduktion zu verhindern. Die Metzinger Weingärtner beschränken sich auf 120, auf Selektionsflächen sogar nur auf 90 kg. Weniger Menge ist mehr Geschmack.
Liebevoll werden einzelne Blätter ausgeschnitten, die Schatten auf die Traube werfen, die Rebe wird gelichtet, damit sich keine Fäulnis bildet, beschädigte Teile der Trauben werden entfernt, die ganze Rebe gehegt und gepflegt und am Ende natürlich von Hand abgeerntet.
Zum Kellermeister der Zentralgenossenschaft in Möglingen, der die Metzinger Weine ausbaut, besteht ein sehr enges Verhältnis. „Wir sagen ihm genau, was wir wollen, fahren hin um zu kosten, Restzuckergehalt und Art des Ausbaus zu bestimmen“, erklärt Jörg Waldner, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Aber auch wenn der Ausbau des Weines optimal ist, weiß der Fachmann doch: „Die Qualität entsteht im Weinberg – und nur dort!“

Der ganze Reichtum des Sortiments

In der Inneren Stadtkelter befindet sich heute die Vinothek, das Schmuckstück der Metzinger Weinerzeuger. Die Metzinger sind nicht nur stolz auf den Architekturpreis, den sie mit ihr gewonnen haben. Hier haben sie den standesgemäßen Ort, an dem sich der Weinliebhaber durch alle Sorten kosten kann. Martin Koch, Weinbautechniker und Haupterwerbs-Weingärtner und seine Kolleginnen beraten so, wie man es nur kann, wenn man hier, im Metzinger Wein, zu Hause ist.
Fast alle gängigen Weinsorten Baden-Württembergs werden hier kultiviert. Zu jedem Anlass findet sich das Richtige und auch der verwöhnte Weingaumen wird hier fündig. Wer seinen Gästen gerne etwas Besonderes vorsetzen möchte, der greift zum Spätburgunder oder Lemberger aus dem Barrique-Fass, zum MESecco , einem fruchtigen, frischen Perlwein-Cuvee oder zu einem Eiswein als Begleitung zum Dessert. Das echtAlb-Siegel tragen sie alle, denn regionaler als der Wein von hier kann ein Produkt nicht sein. Die vielen anderen Prämierungen hängen die Metzinger Weingärtner gar nicht so sehr an die große Glocke. Drei Goldene, acht Silberne und zwei Bronzene waren es im letzten Jahr. Eine beachtliche Leistung.
Metzingen, Ausgangspunkt der 511 km langen Württembergischen Weinstraße, ist den Weintrinkern vielleicht ein bisschen aus dem Blick geraten. Aber kluge Köpfe und fleißige Hände haben in den letzten Jahren viel getan für die Qualität des Weines Metzinger Hofsteige. Das Weinkulturmagazin Württemberger (Ausgabe 2/11) attestiert ihm inzwischen „Geheimtipp-Status“.

Quelle: Magazin Marktleben, Ausgabe Oktober/November, www.marktleben.de

 

Datum

06.10.2011

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