Wie zu Hause unter Freunden
Die Gutsgaststätte Alteburg bei Reutlingen hat neue Besitzer gefunden. Mit traditioneller und regionaler Küche bieten Elke und Daniel Seywald, kurz hinterm Stadtrand von Reutlingen, ein wunderbares Naturerlebnis
Raubritter seien die Herren von Stöffel gewesen, so die Sage, die eine Burg auf dem Käpfle bewohnten. Nicht nur mit Landwirtschaft, sondern auch mit so manchem Überfall auf Reisende hätten sie sich ihr Auskommen gesichert. Der Namen des nahe gelegenen Stöffelbergs geht zurück auf das gleiche Geschlecht. Ein Wunder-Schwert hätten sie besessen, das von selbst sich seine Opfer suchte – eine Ausrede vielleicht für die Untaten der Ritter, die wohl nicht ausreichte, sich die Geneigtheit der Nachbarn zu erwerben, die ihre Burg eroberten und zerstörten. Historiker sehen in diesen Erzählungen Motive aus alten Zeiten, als auf dem Käpfle vielleicht ein Heiligtum des Kriegsgottes Ziu verehrt wurde, dessen grausames Zauberschwert nicht satt werden konnte. Seit dem 15. Jahrhundert, als der Bauernhof der früheren (alten) Burg von der Stadt Reutlingen übernommen wurde, hat der Alteburg-Hof die Stadtbevölkerung von Reutlingen ernährt. Nachdem die dortige Gaststätte 32 Jahre vom Ehepaar Sommer gut geführt wurde und zwei Jahre leer gestanden war, haben jetzt neue Besitzer das traditionsreiche Erbe angetreten.
Die neuen Besitzer
Die Biosphärengastgeber, jene Gruppe von Gastronomen, die sich der Kulturlandschaft des Biosphärengebiets Schwäbische Alb besonders verbunden fühlen und sich der Verwendung regionaler Produkte verschrieben haben, haben ein neues Mitglied erhalten. Die Gutsgaststätte Alteburg, zwischen Reutlingen und Gönningen, unterhalb des Käpfle gelegen, ist nun ebenfalls auf Produkte aus unserer Region spezialisiert. Elke und Daniel Seywald sind in Reutlingen ein wohlbekanntes Gastronomenpaar. Sie sind nebenbei aber auch beide Jäger und Falkner. Mit ihren Ziegen, Greifvögeln und anderen Tieren ist ihr Lokal ein für Familien und deren Feste bestens geeigneter Ort. Aber auch als Start- oder Zielpunkt wunderschöner Wanderungen empfiehlt sich ihr Restaurant. Die besondere Spezialität ist das Wild, das teilweise selbst erlegt ist, auf jeden Fall aber von Jägern aus der näheren Umgebung und aus dem Schwarzwald kommt. Daneben findet sich so manch traditionelles Gericht: Saure Kutteln oder Nierle, Tafelspitz, Maultaschen oder Rouladen, die hier genau so schmecken, wie sich das gehört. „Wie zu Hause unter Freunden“, so soll man hier sein und essen können, sagt Daniel Seywald. Dem Personal merkt man an, dass in seinem Haus gute Laune herrscht. Der Service ist aufmerksam, umsichtig und zuvorkommend. In der Küche arbeiten langjährig gut bewährte Kräfte, das gehört alles zu einem reibungslosen Ablauf.
Regionalität ist nicht nur ein Wort
Dass die Seywalds in den Kreis der Biosphärengastgeber aufgenommen wurden, ist allzu naheliegend. Regionalität wird hier ganz besonders real gelebt. Das Gemüse des Alteburg-Hofs kommt auf den Teller, die Speisekarte variiert, je nachdem, was gerade saisonal geerntet wird. Viele weitere Höfe und Unternehmen stehen auf der Liste der Lieferanten, bekannte und weniger bekannte Namen in der Region wie der Forellenhof Rössle, die Brauerei Zwiefalter Klosterbräu, die Metzgerei Luz aus Reutlingen-Bronnweiler oder der Kartoffelbauer Marc Wörz aus Hohenstein-Oberstetten. „Wir suchen nicht das Extravagante, aber das Besondere“, sagt Elke Seywald. Schwein aus Engstingen, Kalb vom Hofgut Alteburg, Rind aus Rommelsbach und Geflügel aus Mähringen – da hat man den Geschmack der Region auf der Zunge. Aus den Hühnern von besonderer Größe macht Daniel Seywald gerne mal einen Coc au vin auf schwäbische Art, natürlich mit Trollinger statt mit Burgunder. Die Spätzle, die Maultaschen, die Soßen, das Brot – alles ist hier aus eigener Herstellung, da kommt nichts aus der Tüte.
Familienerlebnis und Betriebsfeier
Die Terrasse der Wirtschaft wurde großzügig ausgebaut und verschönert. Die Kräuter, die hier in langen Reihen wachsen, verheißen den Geschmack des Essens. Daneben stehen die riesigen Volieren für die Greifvögel. Die Falknerei ist ein besonderes Hobby der Seywalds. Viele von uns kennen nur Flugshows mit Falken, aber in der echten Falknerei, wie Elke und Daniel Seywald sie betreiben, werden die Vögel, in ihrem Falle Bussarde, tatsächlich für die Jagd eingesetzt. Dass den Kindern nicht langweilig wird im Restaurant, dafür sorgen nicht nur die beeindruckenden Greifvögel. Die Ziegen, die neben den Volieren grasen, können gestreichelt werden. Auf dem schön gestalteten Spielplatz, direkt neben der Terrasse, können die Eltern ihren Kindern beim Toben zusehen. Wanderungen aufs Käpfle und zur Friedenslinde bieten schöne Ausblicke und atmosphärische Plätze. Für Betriebs- und Familienfeiern, wie auch für den kleinen Ausflug am Nachmittag, ist die Gutsgaststätte Alteburg damit ein bevorzugtes Ziel, nicht zuletzt wegen der selbstgebackenen Kuchen. Aber vielleicht kommen Sie auch nur zum Mittagstisch oder einer abendlichen Runde mit Freunden hier her. Die Gastlichkeit der Seywalds hat diese schwäbisch-herzliche Note, die wir so lieben, ihre Gerichte den ureigenen Geschmack der Region. Ob an den Geschichten über die Raubritter etwas Wahres dran ist oder nicht, die Alteburg ist jedenfalls ein besonderer Ort, und ihre neuen Besitzer sind besondere Gastwirte, die zu besuchen sich lohnt.



